Hinweise zum Umgang mit linkshändigen Kindern


Kindergarten / Bereich Vorschule:

Mit Vorschulbereich ist das letzte Jahr im Kindergarten vor der Einschulung gemeint. Bis zum Schuleintritt sollte die Schreibhand feststehen.

Kinder die spontan mit der linken Hand zu malen und zu schreiben beginnen, dürfen auf keinen Fall zum schreiben mit der rechten Hand angehalten werden.

Schreibhaltung und Blattlage:
Hilfestellung beim erlernen einer lockeren Schreibhaltung sind für linkshändige Kinder besonders wichtig. Der Linkshänder verdeckt und verwischt leicht das Geschriebene. Um das zu verhindern sollte von Anfang an eine Schreibhaltung eingeübt werden, bei der die linke Hand unter der Zeile geführt wird. Das hintere Ende des Stiftes zeigt etwa in Richtung des linken Ellenbogens und das Blatt soll leicht nach rechts gekippt sein. Die rechte Hand hält das Blatt am rechten Rand.

Gerade zu Beginn ahmen linkshändige Kinder oft rechtsschreibende Kinder nach.

Blattlage: Auf die Blattlage (Richtwert um ca. 30 Grad nach rechts geneigt) ist von Anfang an zu achten und nicht erst in der Schule. Zu diesem Zeitpunkt sind die komplizierten feinmotorischen Abläufe und die daran gebundene visuelle Wahrnehmung des Schreibens schon eingeübt, und die Haltung nur noch schwer zu korrigieren.

Zur Kontrolle der Blattlage ist eine Schreibtischauflage für Linkshänder zu empfehlen (gibt es auch für Rechtshänder).

Vorübungen / Schriftelemente und Schreibakzente: Die Schrift selber setzt sich aus verschiedenen Bausteinen, den Schriftelementen, zusammen. Die einzelnen Schriftelemente weisen einen unterschiedlichen Schwierigkeitsgrad auf und bieten Angriffsflächen für Problemstellungen, besonders für linkshändige Kinder. Es ist darauf zu achten, dass linkshändige Kinder besonders die Schriftelemente von links nach rechts ausführen als Vorübung für den späteren Schrifterwerb. Zusammen mit den Schriftelementen sind Schreibakzente Voraussetzung für eine lesbare Schrift.

SCHREIBAKZENTE:

  • Tempo: schnell / langsam
  • Größe: groß / klein
  • Druck: stark / schwach
  • Richtung: nach oben / nach unten / nach links / nach rechts
  • Präzision: genau / ungenau

Im Bereich der Schreibakzente fallen linkshändigen Kindern Richtungen von links nach rechts besonders schwer. Die hängt auch damit zusammen, dass Sie anders wie Rechtshänder eine Blickrichtung von rechts nach links haben.

Buchstaben und Zahlen:
Linkshändige Kinder neigen dazu, Buchstaben und Zahlen nicht entsprechend der Richtungsvorgaben von links nach rechts auszuführen. Sie beginnen Buchstaben sozusagen "von hinten", also von rechts und enden links. Sie müssen dann mit dem Schreibgerät wieder zurück und rechts umsetzen, damit sie weiter schreiben können. Eine verbundene Schrift (Schreibschrift) wird dadurch praktisch unmöglich ohne dauernd abzusetzen.

Auch ist die Entwicklung eines "Schreibflusses" nicht möglich.

Daher muss darauf geachtet werden, von Anfang an, dass die Kinder sich nicht die falsche Strichrichtung von Buchstaben (aber auch von Zahlen) angewöhnen.

Einige Kinder neigen auch zum Spiegeln, also zum Verdrehen, von Buchstaben und Zahlen. Dies hat auch etwas mit der entgegengesetzten Blickrichtung zu tun (linkshändige Kinder - bevorzugte Blickrichtung von rechts nach links) und sollte von Anfang an korrigiert werden.

Auch wenn die Kinder in der Vorschule noch keine Texte "schreiben", so sollte darauf geachtet werden: "immer von links nach rechts"

Zum Beispiel auch wenn Sie Ihren Namen schon schreiben oder aber auch nur "schreiben" spielen.

Grundsätzlich gilt, linkshändige Kinder können genauso schön oder hässlich, genauso schnell oder langsam schreiben wie rechtshändige Kinder.

Folgendes gilt für Linkshänder genauso wie für Rechtshänder:
Die unterschiedlichen Entwicklungsstufen, die ein Kind durchmacht, können verschieden lang und Intensiv sein.

Es lernt zunächst grobe Bewegungen, die sich im Laufe der Entwicklung stetig verfeinern, wobei immer gezieltere, differenziertere und koordiniertere Bewegungen möglich werden.

Erst wenn die Feinmotorik sich entsprechend entwickelt hat, werden hochkomplexe Fertigkeiten, wie z.B. das Schreiben, möglich.
  • In der kindlichen Entwicklung beeinflussen sich Grobmotorik, Feinmotorik und Wahrnehmung gegenseitig.

Wenn die Grobmotorik beeinträchtigt ist, kann das Kind keine ausreichenden Sinneserfahrungen machen und ist die Wahrnehmung gestört, kann das Kind große Probleme in der Feinmotorik entwickeln.

Bei Kindern mit feinmotorischen Störungen ist es deshalb unbedingt erforderlich, das die gesamte Grobmotorik, die Feinmotorik und die Wahrnehmung überprüft wird.

Hinzu kommen Aspekte wie die Überprüfung von kognitiven Fähigkeiten wie Handlungsplanung oder Konzentration / Aufmerksamkeit.

  • Befund ist nur durch spezialisierte Fachleute möglich!

Schreibgeräte für Linkshänder:
Linkshändige Kinder sollten besonders weiche Bleistifte und Buntstifte benutzen, um den Stift nicht zu steil halten zu müssen. Später, in der Grundschule, benötigen die Kinder einen Füller für Linkshänder oder Linkshänder-Fineliner (je nach Schule) möglichst mit schnelltrocknender Tinte. Möglich ist der Einsatz von Griffhilfen zum Erlernen einer physiologisch korrekten Stifthaltung.

Literaturhinweis:

  • Das linkshändige Kind in der Grundschule" von J.B. Sattler; Auer Verlag
  • Übungen für Linkshänder, Schreiben und Hantieren mit links" von J.B. Sattler; Auer Verlag, Donauwörth
  • Übungsheft für Linkshänder" von J.B. Sattler; Auer Verlag